Nova

Nova - Samuel R. Delany originally read and reviewed in 11/2015

Das 31. Jahrhundert: Captain Lorq Von Ray möchte sein Raumschiff durch einen explodierenden Stern fliegen, um dabei Tonnen der unfassbar wertvollen Energiequelle Illyrion zusammeln. Angetrieben wird er von Rachegelüsten. An Bord befindet sich eine zusammengewürfelte Crew: Gypsy-Junge The Mouse spielt die syrynx, ein Instrument, das alle Sinnesorgane anspricht. Katin möchte die archaische Form des Romans zu neuem Leben erwecken, hat mehr als 5.800 Notizen, aber noch kein Thema. Dann wären da noch die Zwillinge Idas und Lynceos sowie Tyy und Sebastian und ihre geflügelten Biester.

Ein enigmatischer Kapitän mit Rachegelüsten, eine illustre Crew und natürlich eine große Quest: Delanys Nova gilt nicht umsonst als eine Art „Moby Dick in Space“. Die Ähnlichkeiten beschränken sich nicht nur aufs Personal. Auch andere berühmte Quests – Artus' Suche nach dem Heiligen Gral, Jasons Jagd nach dem Goldenen Vlies –dienen erkennbar als Vorbilder.

Delany pflegt einen unverwechselbaren Schreibstil, eine ganz eigene Poesie. In diesem frühen Roman, den der Autor 1968 im Alter von 25 Jahren veröffentlichte, wird seine kompositorische Fähigkeit bereits deutlich – wenn auch ein wenig prätentiöser, als es sein müsste. Für einen Delany ist Nova vergleichsweise kohärent und geradeaus; vergleichsweise, da die knapp über 200 Seiten kurze Geschichte immer noch einige Abzweigungen nimmt. Immer, wenn man denkt: „jetzt muss die Story aber losgehen“, gibt es einen ausführlichen Rückblick, um die Animositäten zwischen Von Ray und seinen Widersachern Prince Red (das ist kein Titel, das ist sein Name) und Ruby Red (ja, wirklich) zu erklären; oder eine ebenso ausführliche pseudo-wissenschaftliche Abhandlung über Tarot; oder lange Unterhaltungen über die Kunst, einen Roman (nicht) zu schreiben. Dazu kommen zahlreiche Referenzen zu Kunst, damaliger Pop-Kultur und anderen Science Fiction-Autoren (ich behaupte gar nicht erst, alle entdeckt oder verstanden zu haben). Wie gesagt, die Ähnlichkeiten zu Moby Dick beschränken sich nicht aufs Personal. Anstelle des Weißen Wals (oder des Heiligen Grals, oder des Goldenen Vlies) tritt hier, als buchstäblicher Fixtern, die Nova.

Von diesen Abzweigungen abgesehen, ist Nova eine ziemlich klare Abenteuergeschichte, eine Space Opera mitsamt gut durchdachten futuristischen Elementen. Delany nimmt hier auch bereits einige Elemente des Cyberpunk vorweg. Inhaltlich ist Nova ein bisschen dünn, Idee und Stil gehen hier deutlich vor Story, Charakterentwicklung und nachvollziehbaren Motiven (wobei die konsequente Nicht-Charakterisierung von Ruby Red, die nur als Verlängerung ihres psychotischen Bruders existiert, in sich schon wieder interessant ist). Ich hab Nova gerne gelesen, finde den Roman aber schwächer als andere Bücher des Autors. Ich habe lange zwischen 3 ½ und 4 Sternen geschwankt, für den selbstreflektierenden Humor auf der letzten Seite gab es dann den letzten Halbstern.