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junipergreen

pareidolia

science fiction, new weird, old weird, very weird - and everything else. often, though not always, discussed in relation to gender identity and (a)sexuality.

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Down For the Count (Pushkin Vertigo)
Martin Holmen, Henning Koch
Progress: 65 %

Neujahr, Juli Zeh

— feeling bad smell
Neujahr: Roman - Juli Zeh

(German review only so far, sorry.)

 

Das Leid des weißen Mannes.

 

Es ist der Erste Erste Zweitausendundachtzehn und Henning fährt Rad. Er fährt auf Lanzarote, den Steilanstieg nach Femés hinauf. In Hennings Leben ist so weit alles in Ordnung. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder, teilt sich mit seiner Frau Theresa Erziehungs- und Hausarbeit. Theresa macht, Henning funktioniert. Nur, dass natürlich gar nichts in Ordnung ist. Denn in der Nacht hebt ES seinen Kopf und beschert Henning Panikattacken. In einem Landhaus über Femés befällt ihn schließlich die Erinnerung an ein verdrängtes Kindheitsereignis.

 

Ich schicke mal voraus, dass mich das Thema des Buches schon beim Lesen des Klappentextes nicht sonderlich interessiert hat. Wäre es von jemand anderem als Juli Zeh geschrieben, hätte ich es nicht gelesen. Ich hätte es auch so nicht gekauft, es war ein Geschenk (über das ich mich auch sehr gefreut habe). Es ging dann auch komplett an meinem Geschmack vorbei.

 

Meiner letzter Roman von Juli Zeh war „Nullzeit“, der auch schon auf Lanzarote spielt. Im Vergleich mit ihren früheren Werken fiel mir als erstes auf, dass sie ihre Sprache extrem eingedampft hat. Diese Änderung im Stil machte sich schon in „Nullzeit“ bemerkbar, in „Neujahr“ bleibt sie noch wesentlich simpler. Verschwunden sind die überzogenen sprachlichen Bilder, die manchmal an die Grenzen des guten Geschmacks stoßenden Metaphern. Man kann das als „klare Sprache“ loben. Dieser Stil tut niemandem weh, stört nicht beim Bügeln – und langweilt mich zu Tode. Im zweiten Teil versucht Zeh dann, aus der Sicht eines Kindes zu schreiben, ein Kniff, den ich immer etwas bemüht finde, und der auch hier eher Fremdschämen als Begeisterung auslöst.

 

Immerhin versteht sich es noch, mit der Wahl ihres Personals zu irritieren. Ihre Charaktere waren nie Sympathieträger, Henning reiht sich da nahtlos ein: Ein alberner Hampelmann mit fragilem Ego, der sich von seiner gleichberechtigten Beziehung mit einer besserverdienenden Ehefrau, von Arbeit und Kindern überfordert fühlt, der kein wirklicher Ernährer sein kann und sich in seine Rolle als Vater nicht einfindet. Armer Henning.

 

Die weiblichen Figuren des Romans sind keinen Deut sympathischer.

 

Wie alle Romane von Juli Zeh ist auch dieser arg konstruiert, Steigung, Plateau mit Erinnerung, Abfahrt, und basiert auf mehr als erstaunlichen Zufällen. Das ist zu ertragen, wenn mich der Inhalt anspricht, nur war das hier leider nicht der Fall. Ich könnte jetzt analysieren, wie Hennings Kindheitserlebnisse sein Männlichkeitsbild und seine Selbstzweifel geprägt haben, wie sich das auf seine Beziehung zu Mutter, Schwester und Theresa auswirkt - aber so ganz habe ich nicht herausgefunden, was dieses Buch von mir will. Ich verstehe einfach nicht, warum das Leiden der Kinder auf fast 100 Seiten ausgewalzt werden muss. Derart platte emotionale Manipulation kenne ich von Juli Zeh nicht und sie hat mich weder unterhalten, noch brachte sie Erkenntnisgewinn.

 

Ich interessiere mich halt nicht für das Geschichten, die das Unglück mittelalter, weißer Männer in den Fokus rücken, und ergötze mich auch nicht gern am Leiden von Kindern. Ich kann mit dem Buch einfach nichts anfangen.

 

(Spider counter: already a lot)